Zeit für die Genius Hour …wenn nicht jetzt, wann dann?

Die Genius Hour ist eine Erfindung innovativer IT-Unternehmen aus dem letzten Jahrzehnt. Ingenieuren der Firmen wird erlaubt, 20% ihrer regulären Arbeitszeit für ein beliebiges selbst gewähltes „Passion Projekt“ in der „Genius Hour“ zu verwenden: Die gewährte Freiheit hat sich bewährt und in Innovation und Produktivität ausgezahlt.

2014 taucht sie zum ersten Mal in unterrichtsdidaktischem Kontext bei Terry Heick in 6 Principles Of Genius Hour In The Classroom auf und wird vor dem Hintergrund von Michael Fullans 6cs in 21 st century skills: 6 c’s of education detailliert ausgeführt. Nele Hirsch beschreibt in ihrer OER-Publikation Unterricht digital kurz die Umsetzung im Regelunterricht: Im Stundenplan werden Freiräume geschaffen und Schülerinnen und Schüler können eigenständig unter Einbeziehung des digitalen Raums an Projektideen arbeiten und für eine Öffentlichkeit realisieren. Die aktuelle Situation des Hybridunterrichts hat per se Freiräume im Unterricht nach Stundenplan geschaffen und das Private hat einen anderen und oft auch einen neuen Stellenwert bekommen. Die freie Stunde im Stundenplan ist also schon da und die in der Zeit zuhause entdeckten Leidenschaften und Interessen sind ein gigantisches Potential, um von Schülerinnen und Schülern im Sinne eines kompetenzorientierten Lernens genutzt zu werden.

Wie könnte die Genius Hour konkret im hybriden
Unterrichtsszenario aussehen?

Voraussetzung: Die Genius Hour ist überfachlich und ein Schüler:innen-Projekt. Im Kollegium müssen die Rahmenbedingungen (z.B. die Lehrerbeteiligung) abgesteckt und Modalitäten der Betreuung und Bewertung besprochen sein. Wie für Schülerinnen und Schüler, so soll es auch für Lehrerinnen und Lehrer ein Angebot sein, sich in Schülerideen einbringen zu dürfen.

Thema: Die Themen sind selbstgewählt und entsprechen den persönlichen Interessen der Schülerinnen und Schüler. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um klassische Unterrichtsthemen oder Themen handelt, die sich aus Aktivitäten des privaten Lebens ergeben.

Rollenverständnis: Der oder die Lernende ist Genius, ein:e Expert:in oder jemand auf dem Weg dazu es zu werden. Er oder sie darf seinen bzw. ihren eigenen Lernweg gestalten und seine/ ihre Neugier erforschen.

Der Lehrkraft als Genius-Coach ist Helfer:in, Berater:in und Tippgeber:in auf dem Weg zum Ziel; Der Coach kann Wege zeigen oder vorschlagen, lässt aber dem Genius seine eigene Lernerfahrung. Der Schüler bzw. Die Schülerin sucht sich seinen Genius-Coach, wobei dieser annehmen oder ablehnen darf. Der Genius-Coach wird am Ende in seinem Unterrichtsfach mit dem Schüler oder der Schüler:in die Bewertung des Arbeitsprozesses und des Produktes vornehmen.

Qualität und Abschlussbemerkung

Die Veröffentlichung eines Projektergebnisses nach einer Phase von selbstgesteuertem Lernen, Forschen und Gestalten mit der selbstverständlichen Nutzung des virtuellen Raums mit anschließender Reflexion ist eine fast nicht zu schaffende komplexe Aufgabe, bei der alle Kompetenzfelder des KMK-Kompetenzrahmens umfassend abgedeckt werden.

Deshalb braucht die Genius Hour ein neues und zeitgemäßes authentisches Prüfungsformat, das auf die individuelle Situation der Menschen, das Lernumfeldes und die besonderen aktuellen Rahmenbedingungen eingeht:

agil, flexibel und angemessen nachsichtig!

Ideen für Projekte gesucht? Schau mal hier!


CC BY-SA 4.0 Christian Feierabend @ChFeierabend


Zum Weiterlesen

Agile Lern- und Prüfungsformate werden immer wichtiger, gerade zu Corona-Zeiten – ein Ansatz ist dabei die Genius Hour.

Mögliche Themen und einen konkreten Vorschlag zur Gestaltung der „Genius Hours“ findest du in dem Buch „Hybrid-Unterricht 101“: der ersten Handreichung für Hybrid-Unterricht erschienen im Juni 2020 bei dem Open Source Verlag „Visual Ink Publishing“.